Kapitel 1: 1174 a.d.

Kapitel 1: 1174 a.d.

Der aufkommende Herbststurm, welcher sich am westlichen Horizont erhob, hatte den jungen Bauern Wilhelm einigermaßen überrascht. Noch vor wenigen Momenten, war der Himmel über ihm tief blau und nichts deutete auf ein Unwetter hin. Obwohl die dritte Jahreszeit schon vorangeschritten war und es durchaus nicht unüblich für stürmisches Wetter im Herbst ist, so hoffte er doch am heutigen Tage von Regen verschont zu bleiben. Dies war aber am heutigen Mittwoch eher ein frommer Wunsch. Missmutig schaute Wilhelm, der älteste von drei Brüdern auf den dunklen Horizont vor sich. Wo sich die graugrünen Wolken zu einer mächtigen sowie undurchsichtigen Wand erhoben und bedrohlich über das von ihnen gepachtete Land hinweg zogen. Urplötzlich war das warme Sonnenlicht von den mächtigen Wolken verschluckt worden und er spürte die aufkommende Kälte, die vom Wind über das Feld getragen wurde. Sehr schnell Begriff der 26-jährige Wilhelm die Situation und reagierte ohne zu zögern. Einen leisen Fluch austossend, drehte er sich um und blickte auf den mächtigen Ochsen, der unmittelbar hinter ihm stand. Das große Tier zog einen Holzpflug hinter sich her, um eine Furche in den aufgeweichten Lehmboden zu reißen. Ein etwa zwei Meter langes Seil, aus Rosshaar und Bast verband die beiden bei ihrer Feldarbeit mit einander. Die Zeit drängte. Wilhelm umwickelte das raue Seil mit seiner rechten Hand und zog kräftig daran, so dass es sich kurz spannte. Es war dem Tier um den Hals gebunden worden und es bemerkte Gedankenschnell, was der Bauer von ihm verlangte. Der Ochse hob den Kopf zur Seite drehend hoch und schnaubte protestiertend laut aus. Bewegte sich aber erst mal keinen Meter. Wieder zog Wilhelm an dem Seil. Dieses Mal etwas fester. Das Tier wirkte ein wenig erschöpft und ließ schließlich den Kopf entmutigt hängen. Es war nichts zu machen, der Ochse blieb einfach stehen.

„Komm schon“, sagte Wilhelm sanft und zog erneut mit aller Kraft an dem Seil, welches seine Haut auf der Innenhandfläche schon etwas aufgeribbelt hatte. Wilhelm ignorierte den Schmerz und versuchte die Spannung des Seils aufrecht zu erhalten. Das müde Tier hob den großen Kopf ein weiteres Mal und setzte sich schließlich doch in Bewegung. Es war mühselig. Und manchmal wünschte sich Wilhelm etwas anderes zu sein, als er nun mal war. Der Älteste schaute erneut nach Westen. Die Wolken hatten die Sonne nun gänzlich verschluckt und es wurde erheblich dunkler. Schon bald würde der Himmel seine Schleusen öffnen und es würde anfangen zu regnen. Sie mussten hier weg. Mussten auf den festen Waldweg zurückkehren und den Heimweg antreten. Es war jetzt schon kaum noch möglich für den Ochsen, den Pflug durch den nassen Feldboden zu ziehen. Wenn es jetzt noch anfangen würde zu regnen, würde es für das Tier beinahe unmöglich werden voranzukommen. Der Regen würde den ohnehin schon aufgeweichten Boden, noch mehr auflockern, so dass das Tier noch tiefer mit seinen Hufen darin versinken würde. Auf dem Waldweg hatte es das Tier wesentlich leichter. Hinter dem geschwächten Ochsen und dem abgenutzten Holzpflug folgten seine beiden jüngeren Brüder Gabriel und Oliver. Deren einzige Aufgabe bestand darin, den durch den Holzpflug aufgerissenen Erdboden noch weiter zu vertiefen. Der Holzpflug lockerte den Boden zwar auf, aber die Furche war niemals tief genug um das Saatgut sicher drinnen zu versenken.

Oliver bearbeitete den Erdboden mit einer einfachen Schaufel. Während Gabriel das Saatgut des Wintergetreides in den Boden streute. Es roch sehr stark nach nasser Erde und vermoderten Pflanzen, was der Witterung geschuldet war. Im Herbst des Jahres 1174 unseres Herrn regnete es einfach häufiger als in den Jahren zuvor. Ein Wetterphänomen, welches jedem Bauern im Umkreis um Heidelberg wirklich extrem zu schaffen machte. Die Ernte war bei weitem nicht so ertragreich, wie in den Jahren zuvor. Wilhelm schaute nach hinten, an dem massigen Tier vorbei und blickte seine Brüder an. Pausenlos arbeiteten sie weiter, den Blick immer auf den Boden gerichtet, ohne zu bemerken was sich über ihnen zusammenbraute.

Nachdem Gabriel das Saatgut verteilt hatte, schaufelte Oliver den Boden wieder zu. Was eine Horde schwarzer Raben nicht davon abhielt, den Bauern in einem gewissen Abstand zu folgen. Krächzend versuchten die schwarzen Vögel, die Saat aus dem Boden zu picken.

Gabriel, mit vierundzwanzig Jahren der zweitälteste der Brüder, verabscheute diese Tiere. Seiner Meinung nach waren sie Vorboten des Bösen und er versucht, so gut wie es eben ging, sie zu ignorieren. Man konnte beinahe meinen, dass er regelrecht Angst vor ihnen hatte. Eigentlich fürchtete er sich nicht vor vielen Dingen auf dieser Welt, aber diese Tiere lösten ein Unbehagen in ihm aus, welches durch nichts gemildert werden konnte. Woher diese Angst kam, wusste er nicht mal so genau. Sie war aber eindeutig da und sehr oft präsent. Um die schwarzen Vögel zu ignorieren, konzentrierte Gabriel sich, wie sein jüngster Bruder Oliver auf die schwere körperliche Arbeit und machte unbeirrt weiter.

Durch die Dreifelderwirtschaft wurde fast zwei Drittel der gesamten Ackerfläche für Getreide beansprucht, den Rest bepflanzte die Bauernfamilie mit Kohl. Nach der vorangegangenen Ernte des Sommergetreides wurde nun das Wintergetreide gesät. So wurde das Feld fast das ganze Jahr sinnvoll genutzt, um eventuelle Hungersnöte durch Missernten für die Familie zu vermeiden. Allerdings blieb ihnen nicht sehr viel von der Ernte übrig, denn den größten Teil des Ertrags musste die Bauernfamilie Regeis an ihren Pachtherren abgeben, der ihnen das Land zur Verfügung gestellt hatte. Ein eher ungleiches Geschäft bei dem es nur einen Verlierer geben konnte.

Lange braune Haarsträhnen klebten Oliver auf der Haut seines verschwitzten Gesichtes fest und verdeckten zum Teil seine in Falten gelegte Stirn. Der drei Tage Bart ließ ihn ein wenig älter erscheinen als er in Wirklichkeit war. Seine Haut war wie aus Samt und sein Antlitz war jung und makellos. Das Auffälligste an ihm waren seine wunderschönen blauen und vertrauenserweckenden Augen, in denen man sich zu verlieren schien. Vor allem wenn man dem weiblichen Geschlecht angehörte.

Die Proportionen von Auge, Nase und Mund fügten sich zu einem perfekten Gesamtbild und wirkten teilweise wie von einem Künstler gemalt. Der einzige Makel den man anbringen konnte, wenn überhaupt, war seine blasse Haut. Man konnte glatt den Eindruck gewinnen, dass der junge Mann etwas krank aussah. Was aber nicht der Fall war. Ganz im Gegenteil. Der 22-jährige junge Mann stand in der Blüte seines Lebens und strotzte nur so vor Kraft. Für einen kurzen Augenblick stoppte er seine Arbeit und schaute nach vorne zu Wilhelm, der in seinen Augen unruhig wirkte. Im gleichen Moment blickte er in den Himmel und erkannte was unausweichlich auf sie zukam.

Oliver fragte sich, ob Wilhelm deswegen so nervös schien? Der Tag ging noch lange nicht zu neige. Sie konnten doch jetzt noch nicht aufhören? Das war jedenfalls seine Meinung. Oliver beobachtete weiter, wie Wilhelm verzweifelt versuchte das Tier vom Feld auf die Straße zu bewegen. Zum wiederholten Male stoppte der Ochse kurz vor dem Waldweg. Was wiederum dazu führte, dass Wilhelm noch hektischer wurde. Seine langen blonden Haare kräuselten sich im immer stärker aufkommenden Wind und verfingen sich teilweise in seinem rotblonden Bart, als er ein weiteres Mal kräftig an dem Seil zog. Die buschigen Brauen ließen seine braunen Augen ein wenig schmaler erscheinen, als sie in Wirklichkeit waren. Sein ganzes Gesicht war sehr markant, die Wangenknochen stachen deutlich hervor und bildeten mit seiner runden Kopfform ein perfektes Gesamtbild. Einzig allein die große Nase wirkte wie ein Fremdkörper in seinem Gesicht.

Obwohl die Luft angenehm kühl war, schwitze Wilhelm sehr stark und sein Herz hämmerte vor Kraftanstrengung wie verrückt in seiner Brust. Mit großer Mühe zog er das alte Tier auf den festen Weg der Waldstraße. Seine Besorgnis vergrößerte sich noch einmal, als er meinte den ersten Regentropfen auf der feuchten Haut zu spüren. Mit einer winkenden Handbewegung machte er seinen Brüdern schließlich klar, dass es jetzt besser wäre den Heimweg anzutreten. Er verlieh seiner Geste noch mehr Ausdruck als er ihnen zurief:

„Kommt, wir müssen los“.

„Ist ja gut, ist ja gut, wir kommen ja schon“, brummte Oliver ihm etwas verständnislos entgegen. Eilig schüttete er das letzte Loch zu und warf schließlich die Schaufel über seine schmerzende rechte Schulter. Gabriel sagte indessen kein Wort. Er schnürte das kleine braune Ledersäckchen zu, in dem sich das Saatgut befand und stellte dabei Wilhelms Forderung keineswegs in Frage. Denn er hatte hier auf dem Feld das Sagen. Schließlich gingen er und Oliver über den feuchten Erdboden zum schmalen Waldweg hinüber. Oliver hielt den Holzstiel seines Ackerwerkzeuges fest in seiner rechten Hand und betrachtete seinen Bruder weiterhin mit Argwohn. Dieser war direkt mit dem Nutztier zum Karren gegangen, welchen sie am Wegesrand abgestellt hatten, als sie heute Morgen zum Feld gekommen waren um mit der Arbeit zu beginnen. Ohne weitere Zeit zu verlieren, hatte er den Holzpflug schon gelöst und wartete jetzt darauf, diesen auf den Karren zu heben. Doch dies konnte er nicht alleine machen. Dazu brauchte er die Hilfe seiner beiden Brüder.

Plop
Ein dicker Regentropfen platschte Wilhelm direkt auf die Stirn.

„Warum hat es unser Bruder auf einmal so eilig?“ fragte Oliver seinen begleitenden Bruder, der etwas versetzt vor ihm her ging. Etwas verwundert drehte sich dieser um und deutete, ohne ein Wort zu sagen auf die Regenwolken am Himmel. Der jüngste zuckte verständnislos mit den Achseln, als wollte er so fragen „Na und?“ Gabriel interpretierte die Gehste seines Bruders richtig und antwortete darauf sogleich mit hochgezogenenen Augenbrauen:

„Ist das nicht Grund genug?“, Gabriels Stimme klang tief und rau.

Oliver verzog verwundert sein Gesicht und blickte Gabriel etwas ratlso an. Dann schüttelte Oliver verwundert den Kopf. Der Horizont hatte sich noch weiter verfinstert und das Wetter sah wirklich nicht vielversprechend aus. Er verstand die hektik einfach nicht. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass sie bei Unwetter auf dem Feld waren und gearbeitet hatten. Sicher würde es bald unangenehm werden, aber die Arbeit deswegen zu unterbrechen stand nicht wirklich zur Debatte. Dieses Mal sprach er seinen vorherigen Gedanken laut aus.

„Und? Es wird Regen geben!“, sagte er unbeeindruckt und zuckte erneut mit den Achseln. Oliver hatte fest damit gerechnet bis zum Abend hier zu bleiben und zu arbeiten. Egal was für ein Wetter über sie hereinbrechen würde. So eine Hungersnot, wie sie es vor drei Jahren schon einmal erlebt hatten, wollte er nicht noch einmal erdulden. Also war es für ihn nur logisch jetzt weiter auf dem Feld zu arbeiten. Sie mussten mindestens noch fünf Reihen Saat auf dem Feld verteilen. Doch dies sahen seine Brüder wohl etwas anders. Oliver blieb kurz stehen und blickte in den Himmel. Dann schaubte er kurz laut auf und ging schließlich zu seinen beiden Brüdern hinüber.

Das mitgebrachte Werkzeug musste auf ihren Karren befördert werden, auf dem schon ein Teil des zuvor geernteten Kohls lag. Mit vereinten Kräften schafften sie es schließlich, alles zügig zu verstauen. Auf der rechten Seite lag der Kohl. Auf der linken Seite war der alte Holzpflug untergebracht.

Danach spannte der große Blonde mit seinen geschickten Händen das Gefährt ein, damit der müde Ochse den Karren ziehen konnte. Seine Hände waren riesige Pranken, die kräftig genug waren, um einem ausgewachsenen Mann, ohne zu zögern das Genick zu brechen. Alles was er mit diesen Händen zu packen bekam, ließ er so schnell nicht mehr los. Es sei denn er wollte es so. Eine riesige Narbe zierte das Innere seiner Handfläche und zeugte von einer großen Verletzung, die Wilhelm sich mit jungen Jahren zugezogen hatte. Die Erinnerung daran verlieh ihm immer noch ein flaues Gefühl in der Magengegend. Für einen kurzen Augenblick war er unkonzentriert gewesen und war beim Arbeiten mit der scharfen Sichel abgerutscht. Der Schnitt ging über die ganze Handinnenfläche und hinterließ eine Spalte, die sich vom Daumen, quer über die ganze Hand, bis zum kleinen Finger erstreckte. Nur einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass sein Vater in der Nähe gewesen war und die Wunde blitzschnell hatte versorgen können. Völlig schmerzfrei starrte der Junge damals auf die Wunde, die sich sehr schnell mit Blut füllte. Der Schock saß so tief, dass er eine geraume Weile brauchte, um sich davon zu erholen.

Das arme Bauernleben im zwölften Jahrhundert war ausgesprochen hart und von sehr vielen Schicksalsschlägen geprägt. So lebten die Menschen, vor allem die Bauern vom niedrigen Stand, in ständiger Bedrohung nicht genügend zu essen zu erwirtschaften. Dies war bei Missernten meist der Fall. Schlimmer wurde es nur noch, wenn sie zusätzlich bestohlen wurden. Was leider nicht gerade selten vorkam. Wenn es um das eigene Überleben ging, taten die Menschen alles Mögliche und ließen nichts unversucht um an Nahrung zu kommen.

Plop Plop

Wieder bekam Wilhelm ein paar dicke Regentropfen ab. Sie mussten los und zwar eilig. Zügig sprang er auf den Hochsitz des Gefährts und zog am Seil, so dass der Ochse sofort verstand und sich in Bewegung setze. Schon bald verschwanden die drei Brüder mit samt des Tieres im dichten Wald.

Schließlich fing es heftig an zu regnen. So sehr sie sich auch beeilten, es war vergebens. Noch bevor sie die Hälfte des Heimwegs durch den Wald zurückgelegt hatten, steckte das Gefährt samt Ochsen das erste Mal in dem vom Wasser aufgeweichten Schlammboden fest. Die Waldstraße war leider nicht überall gut befahrbar. Wilhelm hatte die Hoffnung, dass der Boden der Straße nicht so schnell aufweichen würde, wie auf dem Feld. Das war auch zu meist der Fall. Allerdings da wo die Straße frei vom Blätterdach war, gab es kein Halten mehr und der Regen stürzte hier ungeschützt zu Boden. Schon bald bildeten sich an solchen kleinen Lichtungen groß Pfützen. Und genau an so einer Lichtung steckten die drei jetzt fest. Während Wilhelm das Tier gleichsam anschrie und ihm gutmütig zusprach, stemmten sich Gabriel und Oliver mit aller Kraft die ihren jungen Leibern innewohnte, gegen den Karren. Sie versuchten mit aller Macht die großen Holzräder aus dem Matsch zu befreien. Erst nach dem fünften Anlauf gelang es dem Nutztier, den Wagen aus der Kuhle am Wegesrand zu befreien. Ohne stehen zu bleiben sprang Gabriel sogleich auf den Wagen und legte sich erschöpft auf dem geernteten Kohl nieder. Er blickte in die Wolken und ließ die Regentropfen auf sein Gesicht prasseln. Dabei holte er tief Luft, um seinen Puls etwas zu verlangsamen, während Oliver lieber weiter hinter dem Karren herlief. Seine aus Wolle bestehende graue Kleidung war mittlerweile völlig durchnässt. Gedankenverloren starrte er auf den matschigen Waldboden unter sich und schien die aufkommende Kälte kaum zu spüren, die durch den nassen Stoff drang. Mittlerweile hatte schon die Dämmerung eingesetzt und die dunklen Wolken über den Männern wirkten jetzt noch bedrückender als vorher.

„Nur die Hälfte des Weges…“ murmelte Wilhelm, der den Ochsen gegen das Tosen des Windes anführte. Erneut überkam ihn ein Gefühl des Unbehagens und sein Mut wurde durch das Wetter nicht gerade bestärkt. Die Sorgen, von Landstreichern oder von einem gefährlichen Tier angegriffen zu werden, wuchsen von Moment zu Moment. Er sah besorgt nach seinem jüngeren Bruder Oliver, der in einem gewissen Abstand hinter dem Wagen herlief. Ihm gefiel es ganz und gar nicht, dass er sich zurückfallen ließ.

„Springt auf!“ befahl er ihm in einem Ton, der vielleicht ein wenig zu rau gewesen war. Seine dunkle Stimme wirkte meistens etwas härter, wenn gleich seine Worte gar nicht so streng gemeint waren. Ein zorniger Blick traf ihn und er merkte sofort, dass sein Bruder alles andere als begeistert war. Dennoch wollte er nicht, dass der jüngste alleine hinter ihnen herlief.

„Wir müssen hier weg, das lahmes Traben bringt uns nicht weiter“, fügte er hinzu. Oliver blickte erneut böse. Er wollte sich von seinem Bruder nicht vorschreiben lassen, was er zu tun und zu lassen hatte.

„Nur vier verdammte Jahre älter und er spielt sich auf wie ein Lehnsherr.“, murmelte Oliver in sich hinein.

„Was habt ihr gesagt?“, fragte der Älteste, seinen Blick starr auf die Straße nach vorne gerichtet. Er war der Meinung, etwas gehört zu haben. Doch durch das Rauschen des Regens war es schwer, gesprochene Worte zu verstehen.

„Ich sagte nichts“, rief Oliver ihm zu und schüttelte den Kopf.

„Sagt schon, was ist das Problem?“, brummte Wilhelm, der dieses Verhalten missbilligte. Oliver schaute auf den Waldboden und sagte recht laut:

„Ihr seid mein Problem geliebter Bruder.“

„Wie bitte?“ Wilhelm war irritiert und drehte sich erneut nach hinten um. Schließlich holte Oliver zum Karren auf und fing an seine Beschwerde hörbar an seinen Bruder heranzutragen. Dabei gestikulierte er wild mit seinen Armen hin und her.

„Wir waren noch nicht fertig mit der Aussaat und außerdem ist der Karren erst halb voll. Die Ernte war dieses Jahr sehr bescheiden. Daher hätten wir lieber noch ein wenig auf dem Feld bleiben sollen und weiterarbeiten müssen. Den Kohl hätten wir heute abernten können. So wird es uns nicht reichen, Bruder.“ Dabei betonte er das Wort „Bruder“ sehr abwertend. Er hielt kurz inne, schaute auf den halb leeren Karren, und meckerte dann weiter:

„Weil Ihr feige seid, werden wir hungern müssen!“, sagte er wütend, beinahe ein Fauchen. Wilhelm stockte in seiner Bewegung, zog an seinem Seil und befahl dem Ochsen stehen zu bleiben. Er holte tief Luft und drehte sich schließlich langsam mit seinem gesamten Oberkörper um und suchte den direkt Blickkontakt mit Oliver.

„Jetzt? Wir wollen das jetzt besprechen?“ zürnte er. Ohne darauf eine Antwort zu bekommen, blickte Oliver ihn wütend an. Das konnte Wilhelm sich nicht gefallen lassen. Schließlich war er der älteste hier. Er hatte die Verantwortung, die ihm der kranke Vater übertragen hatte. Er ließ das Seil ganz los, sprang mit einem Satz vom Wagen hinunter und landete mit beiden Beinen auf dem nassen Boden. Oliver ging sogleich ein paar Schritte zurück. Den vielen Pfützen ausweichend, ging Wilhelm ihm nach. Gabriel richtete sich unterdessen auf und beobachtete die Szenerie. Er war jeder Zeit bereit einzuschreiten, ahnend was passieren könnte. Er zog seine graublaue Kapuze nach hinten, so dass seine kurzen, dunkelbraunen Locken zum Vorschein kamen. Schnell spürte er die reichlichen Regentropfen auf seiner Kopfhaut. Die Farbe seiner Haare deckte sich in etwa mit der seiner Augenfarbe und fügte sich zu einem harmonischen Bild. Gabriel war ein sogenannter Herbsttyp und obwohl er nur ein wenig jünger als Wilhelm war, wirkte er wesentlich älter als er. Sein Gesicht war eindeutig mit vielen Falten durchzogen.

Wilhelm baute sich vor seinem Bruder auf.

„Wie könnt Ihr es wagen, in so einem Ton mit mir zu reden? Mir ist wohl bewusst, dass wir mehr arbeiten müssen.“  Er hob mahnend den Zeigefinger.

„Aber seht auf die Straße. Hätten wir noch länger gewartet, hätten wir den Karren stehen lassen müssen! Dann hätten wir gar nichts gehabt. Ist es das, was ihr wollt Bruder?“  Wilhelm knirschte mit den Zähnen. Gabriel beugte sich nach vorne und stütze sich mit den Ellenbogen an der Randbegrenzung des Holzwagens ab.

„Da hat er Recht!“, meinte Gabriel. Dabei klang er sehr ruhig und besonnen. Doch Oliver schüttelte erneut verständnislos mit dem Kopf und fing an zu schmollen. Er wusste irgendwie, dass seine Brüder Recht hatten. Trotzdem war er damit nicht einverstanden. Die Sorge im Winter wieder hungern zu müssen, ließ ihm keine Ruhe. Ein leerer Magen fordert eine gewisse Risikobereitschaft.

„Wir holen den Rest morgen. So Gott will, wird es aufhören zu regnen und wir können mit unserer Arbeit weiter machen!“ Gabriel beobachtete die beiden ganz genau. Versuchte aus beiden Gesichtern denselben Ehrgeiz herauszulesen. Aber das war zum jetzigen Zeitpunkt vergebens.

„Wir sollten zu Hause sein, bevor es richtig dunkel wird. Außerdem wird die Straße nicht besser, wenn es noch länger regnet“. Wilhelm zwang sich zu lächeln. Was ihm in diesem Moment schwer fiel und reichlich aufgesetzt wirkte.

„Das will ich hoffen!!“, drohte Oliver ihm. Gabriel entging die verärgerte Art seines jüngeren Bruders nicht. Vorsichtig richtete er sich auf, wohl ahnend was kommen würde. Oliver war gut darin, sein Gegenüber soweit zu provozieren, bis dieser schließlich die Beherrschung verlor. Es stimmte schon, dass die Straße mittlerweile schlechter geworden war, aber sie war immer noch befahrbar. Seiner Meinung nach hätten sie gut und gerne noch ein bisschen weiterarbeiten können. Unaufhörlich hielt er sich an dem Thema fest und seine beiden Brüder waren sehr genervt.

„Ihr seid beide feige wie die Hühner“, giftete er seine Brüder an. Wilhelm kam noch ein Stück näher, so dass dieser ungefähr eine Armlänge vor seinem Bruder entfernt stand.

„Ich verzeih‘ Euch diese Frechheit, weil Ihr mein Bruder seid, aber sagt noch ein Wort und ich…“ er ballte die Faust.

„… was Wilhelm? Was wollt ihr dann machen?“ fiel ihm der Jüngste ins Wort.

„Das zeig ich Euch dann!“ antwortete er mit weit aufgerissen Augen.

„Ist das so, Bruder?“, dabei betonte er das Wort „Bruder“ erneut ziemlich abwertend. Oliver schüttelte verachtend den Kopf, konnte er die Engstirnigkeit, die Wilhelm an den Tag legte, einfach nicht verstehen. Jetzt hatte er es geschafft. Wilhelms Geduld stieß an Grenzen.

„Kommt endlich, es ist Zeit! Ich diskutiere meine Entscheidung nicht weiter mit Euch. Also rede nicht weiter und beeile Euch lieber.“

Erzürnt blickte Oliver ihm in die Augen.

„Feigling.“, sagte er ihm mitten ins Gesicht.  Wilhelms Gesichtsfarbe wechselte langsam von einem blassen Rotton zu einem sehr kräftigen Rot.

„Wie war das?“ fragte Wilhelm und kam provozierend näher.

Darauf hatte Oliver nur gewartet. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Die Drohgebärde seines Bruders war völlig ausreichend. Mit einer blitzschnellen Bewegung schlug Oliver seinem Bruder mitten ins Gesicht. Der Schlag kam so plötzlich und unerwartet, dass der ebenso überraschte Gabriel nicht mehr eingreifen konnte. Die Faust traf Wilhelm direkt am Kinn. Er stolperte zurück und fiel rücklings zu Boden in den Matsch. Wie ein toter Käfer lag er da und war für einen kurzen Augenblick völlig orientierungslos. Verachtend blickte er nach oben in den Himmel. Der kühle Regen prasselte auf sein Gesicht und kühlte sein heißes Gemüt ein wenig ab. Er schüttelte den Kopf und richtete sich wieder auf. Schließlich ging er auf die Knie und stellte sich wieder auf seine Füße.

„Das war ein Fehler.“, sagte Wilhelm während er sich an sein Kinn faste und dabei den Kiefer bewegte. Schließlich stürmte er auf seinen Bruder zu. Holte aus und antwortete mit einem Faustschlag, der aber ins Leere ging, da Oliver sehr schnell ausweichen konnte.

„Verdammter …“, schrie Wilhelm ohne seinen Fluch vollständig auszusprechen. Schließlich drehte er sich einmal um die eigene Achse, so dass er seinem Bruder wieder gegenüberstand.  Vor lauter aufsteigender Aggression wollte Wilhelm zum zweiten Schlag ausholen, doch bevor die Keilerei richtig losging, war Gabriel endlich zur Stelle und war zwischen die beiden Streithähne gesprungen. Er griff nach dem Handgelenk seines verärgerten Bruders und befahl ihm, das Kämpfen einzustellen.

„Hört auf!“, schrie er Wilhelm an und schubste während dessen Oliver mit seinen Ellenbogen zur Seite, so dass Wilhelm ihn nicht mehr erreichen konnte. Wieder setzte Wilhelm an, doch Gabriel konnte ihn zurückhalten indem er ihn mit beiden Händen an den Schultern packte und ihn wegschob.

„Genug jetzt!“ schrie Gabriel. Dieses Mal noch bestimmender.

Wilhelms Augen glühten vor Wut und er musste aufpassen, dass er dem Schlichter nicht ins Gesicht schlug. Nach ein paar Sekunden der Ruhe, nickte er Gabriel stumm zu und wandte sich wortlos um. Er ballte die Faust erneut und ging zurück zum Lasttier. Nachdem er ein paar Schritte gegangen war, drehte er sich noch einmal um, blickte seine Brüder an, die immer noch wie angewurzelt an derselben Stelle standen, ohne was zu sagen.

„Wir müssen weiter, der Regen nimmt zu!“ Wilhelm tastete sein Kinn erneut ab und meinte schon eine Schwellung zu spüren. Er war richtig verärgert über Oliver, versuchte aber die Wut niederzukämpfen.

„Rücksichtsloser Bursche…“, murmelte er und sprach dabei so leise, dass Oliver ihn nicht verstehen konnte. Mit einem Schwung kletterte er auf den Hochsitz des Holzkarren und griff nach dem nassen Seil. Sofort befahl er dem Ochsen weiter zu gehen. Er kannte seinen Bruder ganz genau. Er hatte ein aufbrausendes Gemüt, wenn es darum ging sein Recht einzufordern. Sonst war Oliver eher ein ruhiger Geselle, aber wenn es darum ging Recht zu haben, verwandelte er sich in eine ganz andere Person. Schon bald würden sich alle wieder beruhigen und alles war wieder gut. Das hoffte er jedenfalls.

„Oh man kleiner Bruder, den habt Ihr richtig sauer gemacht.“, sagte Gabriel. Dann ging ein paar Schritte zurück und sprang dann mit einem Schwung erneut auf den Wagen.

Die Kälte, vom Wind angepeitscht, schlug den drei Brüdern weiter heftig ins Gesicht, so dass sie ihre blauen Kapuzen noch tiefer ins Antlitz ziehen mussten, um sich zu schützen. Obwohl seine Füße mit jedem Schritt leicht in den weichen Morast einsanken, zog Oliver es weiter vor, nach dem Streit neben dem Karren herzulaufen.

„Springt auf!“ Gabriel bot ihm die Hand zu Hilfe an.

„Danke, aber ich gehe lieber zu Fuß“, entgegnete er ihm unwirsch.

„Dann eben nicht! Aber bleibt nicht zurück, wir werden nicht auf Euch warten“, antwortete Gabriel. Er mochte seinen Bruder nicht, wenn er so war. Aber auch er wusste, dass diese Phase nicht von Dauer war.

Gerade wollte Oliver zu einem erneuten verbalen Angriff ansetzen, als ihn ein Schatten im Wald ablenkte. Stutzig blieb er stehen und blickte zur Seite in die Pflanzenwelt, währen sich die beiden Brüder weiter entfernten. Überrascht stellte er auf einmal fest, wie schmal der Pfad eigentlich war, auf dem sie sich befanden und dass er vor lauter Bäumen und Sträuchern in der Ferne fast nichts mehr erkennen konnte. Selbst die kleine Anhöhe die sie gerade passiert hatten, verhalf nicht zur besseren Sicht.

War es wirklich eine flüchtige Bewegung, die er da in den Augenwinkeln wahrgenommen hatte, oder war es eine Täuschung die seine Augen durch Regenschleier falsch gedeutet hatten? Er versuchte seine Sinne zu schärfen, blickte in den Wald und kniff die Augen zusammen, um irgendwas zu erkennen. Doch da war nichts außer Bäumen und Sträucher.

„Also doch nur eine Täuschung!“, murmelte er. Urplötzlich spürte er eine Kälte in sich aufsteigen, die sehr viel tiefer ging als es das Wetter jemals erzeugen konnte. Zügig ging er weiter und beeilte sich, um den Karren wieder einzuholen. Erneut versuchte Gabriel seinen Bruder dazu zu bewegen auf das Gefährt zu klettern und bot ihm seine Hand ein zweites Mal an. Erleichtert stellte er fest, dass Oliver nach seiner Hand griff. Mit dem Kopf schüttelnd half er ihm schließlich auf den Wagen.

Ein rasselndes Geräusch aus einem naheliegenden Gestrüpp ließ Olivers Kopf erneut zur Seite fahren und einen Punkt im Wald fixieren. Mit einem leisen, kaum hörbaren Ruf und einer stoppenden Handbewegung zwang er seine Brüder ruhig zu sein. Wilhelm drehte sich um, als er dem Tier befahl, stehen zu bleiben. Instinktiv griff er dabei nach seinem Messer, welches an seinem Gürtel befestigt war. Oliver drehte jetzt den ganzen Oberkörper in die Richtung, aus welcher die vermeintlichen Geräusche gekommen zu sein schienen. Er zog die Kapuze etwas zurück und vergewisserte sich, dass sie auch wirklich alleine waren. Stirnrunzelnd schaute er in alle Richtungen und lauschte. Doch da war nichts Ungewöhnliches. Drohte wirklich Gefahr oder spielte ihm sein Verstand einen Streich? Die Lichtverhältnisse wurden immer schlechter und machten es schwer, die Schatten im Wald richtig zu deuten. Alle drei lauschten gespannt in die Böschung hinein. Doch außer dem Rauschen des Regens und dem Ächzen der Bäume durch den Wind war nichts zu hören.

„Was ist los?“, flüsterte Wilhelm fragend, während er seine Kapuze weiter in sein Gesicht zog, um sich vor dem Regen zu schützen. Die Nervosität stand ihm ins Gesicht geschrieben. Instinktiv umklammerten Wilhelms kalte Finger den Metallgriff seines Messers. Oliver reagiert sofort auf die Frage seines Bruders und schüttelte unwissend mit dem Kopf. Er hatte keine Ahnung, aber irgendwas stimmte hier nicht. Er legt den Zeigefinger auf seine Lippen und bat erneut um Ruhe. Seine Augen suchten die Umgebung ab. Konzentriert blickte er in die Tiefe des Waldes. Keiner von ihnen wagte noch ein Wort zu sagen. Geschweige denn laut zu atmen. Plötzlich vernahm Oliver ein weiteres Rascheln. Es wurde deutlich lauter und er lokalisierte jetzt eindeutig Schritte die über den Waldboden rannten. Er hatte sich doch nicht getäuscht. Die ernsten Gesichter von seinen Brüdern verriet Oliver, dass die Geräusche keine Hirngespinste waren und auch von den anderen wahrgenommen wurde. Jemand näherte sich keuchend. Kurz darauf kam ein weiteres Geräusch hinzu, was einem Donnergrollen gleichkam.

Oliver schaute ungläubig in den Himmel, aber von da kam das Getöse nicht. Irritiert starrte der Jüngste wieder zwischen die Bäume. Schließlich erkannte er zwischen den Eichen einen jungen Mann, der braune Beinlinge und eine blaue wollene Jacke trug. Sein Gesicht leuchtete feuerrot vor Anstrengung und spiegelte den Ausdruck des Entsetzens wider. Auf seiner linken Stirnseite klaffte eine große Wunde, die blutverschmiert war.

Mit einem Satz sprang der Läufer über einen kleinen Busch und stolperte auf die Waldstraße. Um ein Haar wäre er gestürzt, konnte aber das Gleichgewicht im letzten Moment wiedererlangen und stand schon bald mit beiden Füßen auf dem schlammigen Boden. Oliver sah, dass er einen Schuh verloren hatte und die blanken Zehen zu sehen waren. Ohne die geringste Notiz von den Brüdern zu nehmen, lief er über den Pfad und stammelte etwas Unverständliches in die Luft. Von panischer Angst angetrieben lief er weiter. So schnell der Flüchtige aufgetaucht war, so zügig verschluckte ihn der Wald wieder. Alles ging so schnell, dass ihnen keine Zeit zum Reagieren blieb.

Jetzt wurde das Donnergrollen immer lauter und schließlich erkannten sie, was es verursachte. Alle drei drehten sich fast gleichzeitig um und blickten auf den Weg hinter sich. Ein Pferd kam die Biegung im gestreckten Galopp entlanggelaufen und stürzte auf die jungen Männer zu. Völlig handlungsunfähig starrten sie auf einen Schimmel, der schließlich kurz vor ihnen stehen blieb. Der Berittene, in voller Rüstung mit einem Stahlhelm und einen Überwurf, in Blutrot und weiß, zügelte sein Pferd und hob die Hand zum Gruß.

„Gott sei mit Euch!“, sagte er ein wenig außer Atem und mit spanischem Akzent.

„Gott sei auch mit Euch, mein Herr!“, erwiderte Wilhelm und versuchte direkten Augenkontakt mit dem Ritter zu vermeiden.

„Sagt, wohin ist er gelaufen?“, fragte der Ritter.

„Dort lang!“, haucht Gabriel kaum hörbar und zeigt mit dem Finger in den Wald. Der Ritter schien zu ahnen wohin der junge Mann fliehen wollte, und spornte sein Pferd ohne ein weiteres Wort zu verlieren wieder an. Da er nicht durch den dichten Wald reiten konnte, befahl er dem Tier, den Pfad weiter entlang zu galoppieren und zwar in die Richtung, in die der junge Mann verschwunden war. Das Donnern entfernte sich wieder und bald darauf war vom Reiter nichts mehr zu sehen.

„Der hat sich wohl was zu Schulden kommen lassen!“ stammelte Gabriel.   „Wahrscheinlich hatte der Bursche was gestohlen?“, sagte Wilhelm. Das war allerdings nur eine Vermutung.

Kopfschüttelnd, dass sie schon wieder Zeit verloren hatten, nahm Wilhelm das Seil wieder in die Hand und wies den Ochsen an weiter zu gehen. Doch dieser setzte sich nur schwerfällig und unter Protest in Bewegung. Oliver hörte das Fluchen seines Bruders kaum und seine anfängliche Wut ihm gegenüber wich zu einer kleinen Besorgnis. Das hätte auch anders ausgehen können.

An seinen Bruder Gabriel angelehnt sitzend blickte Oliver weiter in den Wald, wohin der Mann gelaufen war.

„Welches Schicksal ihn wohl ereilen mag?“ Oliver ahnte es bereits.